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Wolfang Schmitz

Offline shoppen in Cochem, aber wo?

Leserbrief von Wolfgang Schmittz, Mitglied im Kreisvorstand und Kandidat der Kreisliste


Die Initiative "Offline Shoppen" mit ihrem Slogan "Ihr Einkaufsverhalten entscheidet" schiebt einseitig dem Konsumenten die Verantwortung für "sterbende Innenstädte" zu, ignoriert aber leider komplett die Verantwortung der regionalen Politik und Wirtschaft.


Cochem ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Cochemer Gewerbetreibende haben es jahrzehntelang geschafft, sich lästige Konkurrenz vom Hals zu halten und weitere Geschäftsansiedlungen wurden mit Erfolg abgewehrt, um gewissermaßen das eigene regionale Monopol aufrechtzuerhalten. Mehr Anbieter, also mehr Konkurrenz, hätte aber den Einzelhandel zum Wohle der Kunden gestärkt und Arbeitsplätze gebracht. So kenne ich einige Familien , die schon seit den 80er Jahren für ihr Kleidung und Schuhe 2-3 Mal pro Jahr nach Koblenz oder Mülheim Kärlich fahren, weil es dort mehr Auswahl zu günstigeren Preisen gibt.

Die lokale Wirtschaftspolitik richtete sich stets an den Interessen der Gewerbetreibenden, kaum jedoch an den Interessen der Menschen die hier leben. Sogar bei der Wahl der Schulstandorte spielte dies eine Rolle. Anstatt schulkindfreundliche Standorte z.B. in Cond oder in der Nähe des Bahnhofs zu wählen, wurden fast alle Schulen hoch oben auf dem Cochemer Berg gebaut, so dass die Schülermassen durch die Fußgängerzone zu den Geschäften gelotst wurden.

Das Einkaufserlebnis fängt in Cochem meist mit der Parkplatzsuche an. Geschäftsnahe Parkplätze sind rar, Kundenparkplätze gar nicht erst vorhanden. Das einseitige Setzen auf qualitativ minderwertigen Massentourismus dient zwar dem Wohl der Gastronomen, Hoteliers und Geschäftsinhaber, hat aber dazu geführt dass die Zahl der Ramsch-und Andenkenläden stark zugenommen hat. Der Gang durch die Cochemer Fußgängerzone wird so, aber vor allem aufgrund der Touristenmassen, von April bis November zur Qual.

Das regionale Wirtschaftsmodell des Massentourismus hat der Bevölkerung außer massenhaft Billiglohnjobs, die zumeist als geringfügige Beschäftigung deklariert sind, nichts gebracht, Jobs von denen niemand ordentlich Leben geschweige denn eine Familie ernähren oder Privat vorsorgen kann. Auf der bundesweiten Lohntabelle konkurriert der Kreis Cochem-Zell mit einigen fernen Ostprovinzen um die hintersten Plätze, daher ist das Internet für die Cochem-Zeller Bürger eine Möglichkeit sich die Fahrten nach Koblenz zu sparen und sich vom knappen Budget mehr leisten zu können.

Ein zusätzlicher negativer Effekt falscher kommunaler Wirtschaftspolitik ist die Abwanderung junger Menschen, sie gehen dorthin wo es ordentlich bezahlte Arbeit gibt. Würden die vielen tausend Pendler unserer Region nicht aus reiner Liebe zur Heimat weite Wege zu ihren Jobs in Kauf nehmen, würde es noch viel düsterer aussehen.

Ob unsere Kinder dies auch tun werden wage ich stark zu bezweifeln, denn die notwendige Kehrtwende in der regionalen sowie überregionalen Politik ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auf Kritik, wie sie in der FAZ stand, reagieren die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft mit Trotz, Uneinsichtigkeit, Verärgerung. Dabei stimmte ein großer Teil der Bevölkerung dem zu was dort kritisiert wurde. Stur wird die Politik fortgesetzt die seit über 40 Jahren zur Abwanderung der Menschen führt. Dieser Trend wird sich also fortsetzen, was zwangsläufig zu einem weiteren Kundenrückgang führen wird.